AllgemeinEcho

Stadtwald muss ökologischer werden

Hitzestress und Stürme haben sonst leichtes Spiel

Eschwege besitzt ca. 400 ha Wald. Er befindet sich überwiegend im Schlierbachswald und ist wie im gesamten Bundesgebiet durch flächenhaftes Fichtensterben stark in Mitleidenschaft gezogen.

Welche Lehren und Konsequenzen wollen wir aus diesem Desaster ziehen? „Der Borkenkäfer hat leichtes Spiel mit den durch die letzten drei Hitzesommer stark geschwächten Fichten“, weiß der Stadtverordnete Stefan Fiege. Der Mangel an Wasser ermögliche keine ausreichende Harzproduktion zur Abwehr der Käfer. Auch die zunehmenden Sturmereignisse erwischten meist die Fichten. „Ganze Bestände in unserem Stadtwald wurden durch `Friederike` wie Streichhölzer umgeworfen.“ (vgl. kleines Bild).

Aktuell bestehe der städtische Wald nur zu ca. 56% aus ökologisch heimischem Laubwald und somit fast die Hälfte aus nicht heimischem und massenhaft unter Klimastress absterbendem Nadelwald (44%) – sofern er noch nicht umgefallen sei, erläutert Fiege. „Der heimische Laubwald ist dagegen standfester, weil erbesser ans ökologische Wirkungsgefüge angepasst ist.“ Das Pflanzen von nichtheimischen `Wunderbaumarten` aus Übersee wie Douglasien oder Roteichen sei aber unbedingt zu vermeiden. Eine Schwächung der Waldökosysteme sei zu erwarten. „Die widerständigen heimischen Ökosysteme würden wie mit den früheren Fichtenpflanzungen wiederholt gestört und geschwächt werden“, weiß Fiege. Stattdessen müsse sich unser Wald zugunsten widerstandsfähiger (Edel-) Laubwälder entwickeln dürfen. Dies stelle langfristig sowohl die ökologisch als auch ökonomisch sinnvollere Lösung dar. „Man muss Geduld mitbringen und der Natur eine Chance zur Selbstregulierung einräumen.

Als Sofortmaßnahme sind deshalb zunächst die jüngeren Windwurfflächen der Naturverjüngung zu überlassen und nur dort, wo es nötig ist, mit heimischen und standortgerechten Laubgehölz-Pflanzungen zu unterstützen“, führt Fiege weiter aus. Und mehr Totholz sei zuzulassen. „Dies fördert nicht nur die CO²-Speicherung, sondern auch die Wasserrückhaltung und die Hochwasservermeidung.“ Nebenbei diene es auch der Artenvielfalt, ergänzt Fiege. „Der wertvollste Wald der Zukunft ist derjenige mit den umfangreichsten Ökosystemdienstleistungen.“ Holznutzung sei auch weiterhin in verträglichem Maß möglich. Eine derartige Waldentwicklungspolitik eigne sich darüberhinaus in besonderer Weise für umweltpädagogische Projekte als auch für die touristische Vermarktung, so die SPD-Fraktion.